Lehm-PCM-Klimawand 2.0: Passiv kühlen, aktiv speichern – das unsichtbare Raumklima-Upgrade für Stadtwohnungen und Dachstudios
Hitzewellen in Städten nehmen zu, Schlafzimmer überhitzen, Dachstudios werden zur Sauna – und Split-Klimasysteme sind nicht immer gewünscht oder möglich. Die Antwort? Eine kapillaraktive Lehmwand mit integrierten Salzhydrat-PCM-Kassetten, die Wärme latent speichert und mit einer passiven Verdunstungszone leise kühlt. Ohne Kompressor, geräuscharm, wohngesund – ideal für Schlafzimmer, Homeoffice, Tiny Houses und Altbau-Dachgeschosse.
Was ist eine Klimawand – und warum mit Lehm + PCM?
Eine Klimawand verbindet Feuchteausgleich, Wärmespeicher und optional sanfte Verdunstungskühlung in einem Bauteil. Lehm reguliert Raumfeuchte und verbessert die Akustik, während Phase-Change-Materialien (PCM) rund um eine definierte Temperatur (z. B. 24–26 °C) Wärme aufnehmen und wieder abgeben – wie ein unsichtbarer Akku.
Kern-Bausteine
- Deckschicht: 15 mm Lehmputz, faserarmiert (Hanf/Jute)
- PCM-Kassetten: Salzhydrat, Umschlagpunkt 24–26 °C, ca. 6–9 kg m-2 (Latentwärme 160–190 kJ kg-1)
- Kapillarvlies: Jute-/Cellulose-Matte zur Feuchteverteilung
- Verdunstungszone (optional): 3 mm Keramikvlies hinter gelochter Sichtleiste; 12 V-Mikrolüfter (≤ 0,8 W) für Sommerbetrieb
- Sensorik: Taupunkt- und Temperaturfühler, Relais/Matter-Controller
Leistungsdaten & Aufbau im Überblick
| Parameter | Typischer Wert | Praxisnutzen |
|---|---|---|
| Gesamtdicke | 28–35 mm (ohne Untergrund) | Nachrüstbar auf Bestandswänden |
| PCM-Speicherkapazität | 0,25–0,45 kWh m-2 | Hitzespitzen abpuffern am Nachmittag |
| MBV Lehm | 1,5–2,0 g m-2 %RH-1 | Spürbar stabilere Luftfeuchte |
| Verdunstungskühlung | ≈ 680 W pro L h-1 | 0,2 L h-1 → ~135 W leise Zusatzkühlung |
| Strombedarf Lüfter | 0,3–0,8 W m-2 aktiv | PV-/Balkonkraftwerk-geeignet (12–24 V DC) |
| Oberflächenwirkung | diffusionsoffen, kapillaraktiv | Vorbeugung gegen Sommer- und Feuchtestau |
Wo die Klimawand brilliert
- Schlafzimmer: sanfte Nachtkühlung, trockenes Raumgefühl, bessere Schlafqualität
- Dachstudio/Homeoffice: spürbar weniger Überhitzung in West-/Südräumen
- Bad: schnellere Trocknung nach dem Duschen, weniger beschlagene Spiegel
- Tiny House: multifunktional statt Gerätedschungel – Oberfläche statt Maschine
Fallstudie: Dachstudio (28 m²) im Ruhrgebiet
- Installierte Fläche: 9,5 m² Klimawand an Südgiebel
- PCM: 0,38 kWh m-2 (Umschlag 25 °C)
- Sommerergebnis (Juli):
- Max. Raumtemperatur an Hitzetagen: –3,2 K gegenüber Referenzraum
- Nachtabsenkung: +1,1 K schneller auf 23 °C
- RLF 45–58 % ohne elektrische Entfeuchter
- Winter: Heizspitzen geglättet, –7 % Taktung der Heizkörperventile
- Geräusch: Lüfter auf 5 V praktisch unhörbar (< 18 dB(A))
DIY: Nachrüst-Set an einer Innenwand (5 m²)
Materialliste
- Lehmputz 15 mm, faserarmiert (ca. 10 kg m-2)
- PCM-Kassetten 12 mm, Salzhydrat 25 °C, 7–9 kg m-2
- Kapillarvlies (Jute/Cellulose) 5 mm
- Gelochte Sichtleiste (Holz) + Keramik- oder Zellulosevlies 3 mm
- 12 V-DC Netzteil 30–60 W, 2–3 Mikro-Lüfter 80 mm (PWM-fähig)
- Taupunkt-/Temp-Sensor, Relais/Matter-Controller
- Grundierung (silikat-/caseinbasiert), Schrauben/Dübel, Spachtelwerkzeug
Schritt-für-Schritt
- Untergrund prüfen: tragfähig, trocken (< 3 CM-%). Strom-/Wasserleitungen orten.
- Grundieren, Kapillarvlies vollflächig aufkleben.
- PCM-Kassetten flächig verlegen (Stöße versetzen), Fühler mittig integrieren.
- Lehmputz 10–12 mm aufziehen, Oberfläche filzen. 24–48 h trocknen lassen.
- Gelochte Sichtleiste im Sockel- oder Kopfbereich montieren; dahinter Verdunstungsvlies einlegen.
- Mikrolüfter hinter der Leiste befestigen, auf 12 V DC anschließen; Kabelkanal verdeckt führen.
- Automation: Regelung nur aktivieren, wenn Taupunkt-Sicherheit gegeben ist (z. B. bei RLF < 60 %).
Bauzeit: 1–2 Tage inkl. Trocknung. Kostenindikator: 110–180 € m-2 (Material, ohne Elektrik).
Smart-Home-Integration (ohne Cloud-Zwang)
- Sensorik: Temperatur, RLF, Taupunkt an Wand und Raumluft
- Automation: Lüfter nur bei Raumluft > 24 °C, RLF 40–60 %, Taupunkt mindestens 2 K unter Wandoberfläche
- PV-Direktnutzung: 12–24 V DC-Betrieb aus Balkonkraftwerk/Hausspeicher für quasi „kostenneutrale“ Kühlung am Nachmittag
- Matter/Thread: lokale Szenen: „Sommer Siesta“, „Nachtspülung“, „Bad-Entfeuchten“
Pro / Contra kompakt
| Aspekt | Pro | Contra |
|---|---|---|
| Wohlbefinden | Leise, zugfrei, angenehme Oberflächen | Kühlleistung begrenzt, kein AC-Ersatz bei Extremhitze |
| Energie | Latentspeicher + PV-DC möglich | PCM muss zyklisch „entladen“ werden (Nachtlüftung) |
| Feuchte | Lehm puffert, schnellere Trocknung im Bad | Regelung nötig, um Taupunkt zu vermeiden |
| Design | Mineralisch-mattes Finish, warmes Gefühl | Lehm ist stoßempfindlicher als Gips |
| Budget | DIY-fähig, modulare Erweiterung | PCM-Kassetten sind kostenrelevant |
Pflege, Sicherheit & Nachhaltigkeit
- Pflege: Staub trocken abfegen, Flecken punktuell nachfilzen; keine lösemittelhaltigen Reiniger.
- Sicherheit: Lüfter in SELV (12 V) betreiben; Feuchtesensorik zwingend für Verdunstungsbetrieb.
- Ökologie: Lehm ist rezyklierbar, PCM-Salzhydrate sind wasserbasiert; Komponenten trennbar, lange Lebensdauer.
Praxis-Tipps für maximale Wirkung
- PCM-Setpoint wählen: 24–26 °C für Wohn-/Schlafräume, 23–24 °C für Westzimmer mit Spätnachmittagslast.
- Nachtentladung: 30–60 min Querlüften; Automation mit Fensterkontakt.
- Zonenweise nachrüsten: Erst Kopfteil im Schlafzimmer (2–3 m²), dann Südwand erweitern – messbare Effekte schon ab 3 m².
- Bad-Modus: 20 min nach dem Duschen Lüfter aktivieren; Türspalt für Luftnachströmung einplanen.
Ausblick: Solarregeneration & adaptive PCM-Mixe
- Solarregeneration: tagsüber PV-unterstützte Nacht-/Frühspülung simulieren, um Speicherkapazität für den Abend freizugeben.
- Adaptive Mischungen: PCMs mit 2 Umschlagpunkten (22 °C + 27 °C) decken Übergangszeiten und Hochsommer ab.
- Bauteilmonitoring: Dünnschichtsensoren im Lehm für datenbasiertes Feuchte- und Energiemanagement.
Fazit: Kühle Köpfe ohne Kompressor
Die Lehm-PCM-Klimawand ist ein leises, gesundes und erweiterbares System gegen Überhitzung – besonders dort, wo klassische Klimageräte nicht passen. Starten Sie klein (2–3 m²), messen Sie den Effekt und skalieren Sie nach Bedarf. Wer bereits PV-Strom hat, kann die Verdunstungszone gezielt an heißen Nachmittagen nutzen.
CTA: Planen Sie Ihr erstes Modul an der wärmsten Zimmerwand und testen Sie drei Wochen lang – mit Nachtentladung und Sensor-Logging. Die Daten sprechen für sich.
